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Wie Mensch die Zeit abschafft (Teil 1)

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UnNatur (Pt. 19)


"Wie du die Zeit abschaffen kannst" mit 5 Ausrufezeichen dahinter und einen Deppenleerzeichen zwischen dem letzten und einzigen unregelmäßigen Verbes im Singular wäre ein reißerischer Titel für auf-, nie ab- und stets fortstrebende Pseudo-Blog(g)er, die unbedingt ganz viele Hits sofort und mittels Suchtechnikverbesserungsmaschinerie womöglich auch auf längere Dauer haben möchten und/oder bekommen werden. Da der gedachte Satz nicht mal zeitrichtig im Gesamtgefüge ist, wird er aber nie zeitlos sein und der fiktive Artikel darunter auch nicht viel besser, es sei denn man will einen Hype folgen, den es gar nicht geben dürfte. 
Meine Überschrift dagegen ist aussageverschwommen, weil sie sich auf keine eindeutigen Art in Leserköpfe hineinbohrt, sich nicht festlegen lässt und in kein Exklamationszeichen (oder gar mehrere) hineingepresst wurde. 
So wie ich Probleme mit Betitelungen habe, so habe ich auch Probleme mit der definierten Uhrzeitrechnung, allerdings nur prinzipielle - grundlegende. Der Ursprung dieser Minuten- und Sekundenrechnung im Tagestakt interessiert mich nicht, weil er schon verschroben und verschwoben genug ist. Und doch ist es zu erwähnen, dass die Ausgießung der menschlichen Erfindung dieser unechten Ortszeitbestimmung für alles verantwortlich ist, was über uns einher fällt und unfassbar viele Negativfolgen mit sich bringt, dergleichen ich ebenso unerwähnt lasse wie den Hintergründigkeiten des vermeintlichen Titels. 
Beschränken wir uns selbst, so wirft eine Sonnenuhr keine Schatten auf die Psyche, alle anderen Chronometer hingegen hinterlassen Eindrücke  (sic!), die auf unsere Gefühle wirken. 

Es wird nicht überraschen, wenn ich verlaute, dass ich schon immer Schwierigkeiten mit menschlich gemessener Zeit hatte - oder anders ausgedrückt: Ich war nie ein Phileas Fogg (und werde nie einer sein). Auf die Minute genau komme ich nur zufällig irgendwo an, wo man mich erwartet, meist bin ich zu spät oder zu früh dran. Sicherlich bin ich damit nicht auf alleinigen Posten, es mag viele geben, die ähnlich "ticken" und durch die Pfade wandeln. 

Echte Blog(g)er "quasseln" gerne aus dem Nähkästchen und damit verbunden aus ihren Erlebnissen und Empfindungen. Ich finde das ganz hervorragend und werde das heute auch tun. Jeder, der dieses Geschwätz nicht lesen will, darf auf den nächsten Eintrag (Teil 2) wartend hoffen. Ich beziehe mich jedenfalls bei meinen Ausführungen im Feldversuch auf einen immerwährend und wiederkommend einwirkenden Umstand, der viele Menschen jenseits des Äquators in den gemäßigten klimatischen Zonen trifft (und deren Lebensräume von der Natur mit 4 Jahreszeiten gesegnet sind - sic!). Beginne wir also...


Am Morgen
Wenn der viel zu weit entfernte Hahn seinen ersten Ton trifft, ist es stets meine Bestrebung in der Normalzeit ihn tunlichst zu ignorieren, wenn ich ihn denn hören würde. Weder gehe ich zur gerechten Stunde in die andere Realität der Träume, noch habe ich ein Revier markierend zu beschreien. Ich habe auch kein gefiedertes Harem, das ein Schnabel mit rotem Lappen drunter führt. Also, was soll es mich kümmern?
Vielleicht oder sicherlich sind es die eigenen tierischen Geschöpfe gestelzt auf vier Pfoten(?!). Sie haben zwar keine Federn, aber eine Unterwolle, die sich eben unter ihrem nach außen getragenen, zumeist glatten, Fellbewuchs dann auffällig zeigt, wenn sie aus ihrer Empfindung heraus meinen, diese wechseln zu müssen. Jedenfalls ist deren Bestreben andersartiger Natur, womöglich weil ich sie, wie jeder andere 0815-Halter, wider ihrer halte. Dennoch ist ihre Disziplin tugendhaft, ihr Einhalt vor dem Markierungsbedürfnis gut und mit den Jahren auf meine Aufwachphasen herrausragend eingespielt. Eine Lobeshymne darf an dieser Stelle nicht ausbleiben - ein "weiblicher Rüde" hält eben länger ein als ein "kastrierter Hünder(-in)". Die beiden intakten Damen im Hausbestand dienen in der Verfestigung meiner These als eine praktische Bestätigung, die für meine kleine Welt evident ist und meiner Sicht der Dinge auf die der anderen Menschen und deren Erfahrungen mit den eigenen Zeitgenossen gleichen Geschlechts, nicht mal im geringsten Ansatz entgegensteht. Was kümmert es mich (also)?
Es ist die Zeit, die mich stört. Ich werde von ihr getrieben. Mein Bestreben ist somit ein Entgegenstreben zu meinen Pflichten, um die Haus- und Aufrechterhaltung meiner Örtlichkeit, mich selbst und das tierische Wohl zu decken, sicherlich auch im übermäßigen Sinne. Durch meine dürftige Beschäftigungstherapie außerorts erlange ich seit ihrer körperlichen Manifestation im Leibe mehr als ich bedürfte, um ein sorgenfreies und gesichertes gutbürgerliches Leben zu verdingen, nach dem es mir niemals strebte. Es ist kein Seiltänzergeschäft, aber es bedarf der Vollführung eines angekleideten Spagataktes, um mir und allen um mich herum gerecht zu werden. Mich treibt ergo nur eines ständig in die Realität der Wachwelt: Die Gefühle, die einhergehen mit dem, was wir als Lebensspender rechtens sehen und nahezu täglich erleben können und müssen, egal wo wir existent sind. 
Eine ausgiebige Morgenrunde widerstrebt mir wie alles andere davor, was man unternehmen könnte, nachdem man aufgewacht ist. Die Nikotinabhängigkeit lobe ich mir, beginnt mein Erwachen doch immer mit einem gefühlten Schrecken, wenn ich feststelle, dass ich schon wieder in dieser Weltzeit gefangen bin, in diesem Leib und an der gleichen Stelle, an der ich mich Stunden vorher bettete. Und zumindest auch ein Hund ist da, was mich wieder beruhigt. Trotzdem gönne ich mir die Rauchsch(w)aden ausgestoßen vom Dampf eines "Cancer Sticks". Dafür verzichte ich auf alle anderen Dinge, die bürgerliche Menschen so unternehmen kurz nachdem sie erwachen. Es ist mir alles unbekannt und so lobe ich mir das auch. Wahrlich sind es schöne Beiwerke, wenn man beispielsweise neben Musen erwacht, womöglich auch schöner als das vertraute Gesicht eines vertrauten Vierbeiners zu sehen. Nichts kann mich aber von diesem Verlangen abhalten. Dagegen habe ich kein anderes Verlangen, außer eben jenes unmittelbar nach dem "Aufschlafen" und "Reinrauchen" den Tag im Freien zu begrüßen. Stocktrocken begebe ich mich in Kleidung, die für meine degenerierten Körper notwendig ist, um in der vorherrschenden Naturkälte zu existieren, in der noch nicht einmal ein Zugvogel sich verirren würde. Selbst der Hahn kräht aus dem Stall heraus. Das wenige einheimische Gefiedervolk ist mir in den bislang unbenannten Monaten - Ende Oktober bis Ende März - dermaßen gleich, das ich es zwar beobachte, aber eigentlich zumeist ignoriere. Diejenige von ihnen, die nicht in wärmere Gefilde ziehen, sind überwiegend männlich oder Schmarotzerarten. Andere Geschöpfe der gleichen Gattung, die das Bedürfnis haben in diesen Breitengraden dauerhaft zu existieren, interessieren mich dergleichen um einiges mehr, sind aber weniger vorherrschend anzutreffen. Es ist wohl die Zeit im geschaffenen Jahr, die mir hier am wenigsten mundet. Es gibt nur einen Wermutstropfen, dem ich mehr ausgesetzt bin als der Droge des Qualms: Es sind die ersten zarten Sonnenstrahlen auf meiner nahezu gänzlich bedeckten Haut mit Schichten von wärmenden Textilien. So gehe ich meinem Bestreben folgend jeden Tag zu einer Zeit heraus aus den Steinmauern, hinein in die verbleibende Natur, die mein innerstes Bedürfnis in einem geradezu erschreckend kurzen Moment stillt. Es ist nahezu immer der gleiche Ort, der mich dieses erleben und genießen lässt. Ich ziehe in den Norden, um in den Osten zu sehen. Dazwischen liegen viele geteerte Wege der menschlichen Siedlung, die es zu passieren gilt, bis schlussendlich all dies hinter mir liegt und sich ein Wald vor mir aufmacht, in dem ich nie hineingehe, weil es eigentlich gar keiner ist. So mache ich das seit vielen Jahren. Ich warte immer dort. Und wenn sie dann kommt und mich küsst, mich zärtlich streichelt, meine Sinne erweckt, dann kniee ich vor ihr und bete meine Naturandacht mitten auf einer Streuobstwiese im Nirgendwo, der Blick stets auf etwas gerichtet, das mir die Einbildung zur Realität im Kontrast gibt, derer ich mir gerne hingebe. Ich bin umgeben von Getreuen in der einzigen Wirklichkeit und sehe nichts von dem, wo Mitglieder meiner Spezies ihren frevelhaften Fußabdruck hinterlassen haben, der das gesamte Bild verzerren würde und es wohl auch tut, jeden Tag, jedes Jahr. Das einzige was mich trübt und gleichwohl wieder herausholt aus jenem Zustand der Existenz sind deren Geräusche aus der Ferne - das Rauschen von bewegten Gummi auf asphaltiertem Wege, die viele Zweibeiner in Kisten in atemberaubender Geschwindigkeit in die Himmelsrichtungen bugsieren, ohne das sie nur einen Schritt mit ihren Gliedmaßen tun müssten. Und doch bin ich stolz, dass ich alles für einen kleinen Moment ausblenden konnte, meinen Fokus auf das zu konzentrieren, was auch noch nach deren selbst-ernannten anthropozänischen Zeitalter vorherrschen wird.

Wohin mich meine Ergüsse hintreiben werden, verrate ich mit Bestimmtheit im nächsten Teil.


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