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Wie Mensch die Zeit abschafft (Teil 2)

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UnNatur (Pt. 19b)

(zum Teil 1)

Das Bild trügt womöglich, zeigt es doch einen Hund vor der untergehenden Sonne. Mein erster Feldversuch Prosa reduziert und komprimiert auf Bloggerzwecke zu verdingen war indes bei der Beschreibung meiner täglichen Sonnenaufgangserlebnismomente in den Monaten der Normalzeit [Nov.-Mrz.] unvollendet. Noch während ich diese Zeilen schreibe überlege ich, ob ich sie denn nicht auch so lassen sollte. Gefühle zu beschreiben ist tatsächlich nur in dem Sinne möglich, will der Schreiber denn Erinnerungen im Leser schüren, die dieser gar nicht so hatte, egal wie sehr sie denn der Prosaist vergebens zum Ausdruck bringen wollte. Seichtes Herumgeschreibsel kann keinen blumigen Anspruch einer gefühlvollen Erzählung erheben, noch dem nachkommen. Emotionen beschreiben zu können ist mit Worten nicht möglich und nüchtern betrachtet ist die Prosa lediglich nur eben jenes und ausschließlich: nüchtern.

Es wird mich einiges an Glimmstängeln kosten, um diesen Text zu einem Ende zu führen, das er gar nicht haben kann. Die Qualen des Verstandes, hier ein Ende ohne Punkt zu setzen, pochen weniger als die der Gefühle. Und Gefühlsschmerzen sind niemals so schmerzhaft wie Schmerzen des Leibes. Der Mensch verdingt sein Dasein in einer durchaus richtigen Welt, "verschöpft" sie und sich aber mit Verquerungen des Selbst, die dann in ähnlichen Aussagen wie der meinen über eine Reihen(ab-)folge von Verstand, Gefühl und Schmerz ausufern. Ich wiederhole diesen Unsinn gerne umgekehrt: Die blanke Existenz von Gebrechen des Körpers wird erhoben, hingegen die Gefühle erst darauf folgen; der Verstand setzt am Ende ein. Das scheint mir nicht nur unlogisch und gefährlich, sondern und vor allem verschwommen geworden zu sein, verschoben, dennoch ist es einer Naturmäßigkeit unterworfen. Junge Hunde "weinen" ihrem Herrchen hinterher, entfernt er sich von ihnen nur für einen Moment, in jenem sie nicht ihrem Bestreben nachkommen können ihm Beifuß zu folgen. Sie bringen ihren Schmerz unmittelbar zum Ausdruck durch Jaulen, Fiepen oder gar Bellen mit allen Gebaren, die ihr Körper zum Ausdruck bringen kann. Der Verstand spricht hier kein Wort, der körperliche Schmerz ist nicht existent, wird sogar bis zu einem Grad ignoriert, der womöglich erst dann Anklang findet, wenn das Halsband gar allzu sehr zwickt, möglicherweise nach unendlich vielen Versuchen ihm, dem verschwundenen Halter, hinterher zu laufen, was sie nicht können, da sie beispielsweise angekettet sind. In solchen Szenarien wird durch fachliche Hand dem Halter des Hundes widersprochen auf die Aktivitäten seines Vierbeiners einzugehen. Er muss das lernen. Aber was genau? Das der Schmerz zu vermeiden ist? Das die Gefühle zu vermeiden sind, weil sie Schmerzen bringen? Soll damit vermittelt werden, dass der Verstand die Oberhand zu gewinnen hat, weil seinen Qualen weniger leidvollem Charakter haben? Warum nur sollte eine solche Verirrung die Gangart eines geschaffenen Wesens sein? 
Gefühle sollten den Verstand nur insoweit leiten, damit der Körper unbescholten seinen Gefühlen nachkommen kann, der eigene, wie der von anderen, wird er doch sowieso belohnt, wenn der Ausbruch des Gefühls den Höhepunkt erlebt. 
Und aus diesem Verlangen heraus treibt es mich um, zarte erste Sonnenstrahlen am Morgen zu erhaschen. 

Am Abend
Wenn der Tag zur Neige geht sind meine Gefühlsmuster befleckt, unabhängig was mir der Tag bot. Es ist als wäre ich unrein, so vielerlei fremde Energien haften an mir. Aus dem freiheitlichen Empfinder und Handler wird eine zufällige Erscheinung. Von Zufällen bin ich nur in der zweiten Tageshälfte beeinflusst. Der Verstand ist vernebelt und erhebt Anspruch an ein Sein, dass er gar nicht sein dürfte. Er ist es nun, der sich über die Gefühle hinwegsetzt, ihnen sagt was sie zu empfinden haben. Er ruft den Körper an zum Stillstand zu kommen, weil er doch so dringend Erholung bräuchte. Doch selbst ist er umzogen von einem Dickicht von anderen Energieschwaden, die auf ihn einwirkten, damit das Verlangen ein anderes, ja ein verkommenes wird. Ein Kampf der Entitäten entsteht. Der nach Gefühlen handelnde Mensch sucht nun nach Gefühlen nach denen er handeln kann, im Körper oder dem Verstand. Normal führt das zu unvernünftigen Entscheidungen, die schwere Folgen tragen, die die Gefühle des Morgens danach in größte Unordnung bringen. Damit schließt sich ein Kreis, der niemals existieren dürfte. Und nach Jahren des Gebrauchs eines solchen Handlungsstrangs verkommt der Mensch und kommt folgeschwer zu erdachten Erfindungen, die das gleiche besagen, was der Hund im Beispiel fälschlich zu erlernen hat, wenn sein Halter sich von ihm entfernt und er gleichem nicht folgen darf.
Es gibt in der Regel und im Durchschnitt des Sonnenjahres 4 Tage in der erdachten 7-tägigen Woche, wo ich mich persönlich aus diesem illusorisch-inkorrektem Kreis entferne und dabei dem Gleichgewicht wieder annähere. Ich erlebe sie, wenn ich den Sonnenuntergang betrachte. An Wochenenden sind es stets zwei, unter der Woche meistens. Es könnte durchaus langweilen, wenn ich davon erzähle, dennoch könnte mich niemand - außer mir selbst - davon abhalten darüber prosaisch zu schreiben. Im Großen und Ganzen dieser Niederschrift ist es sogar notwendig davon zu berichten. In jedem Fall ist es mein Verlangen, ob ich es festhalte oder nicht.


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