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Wie Mensch die Zeit abschafft (Teil 3)

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UnNatur (Pt. 19c)

(zu Teil 1 / Teil 2)

Die Normalzeit forderte just wieder meinen Tribut, schien doch die Sonne schon längst, als ich mich am Morgen mit den Hunden auf den Weg machte. Die (vor-)österliche Woche wird mich jedoch aus dem Pulk der in Lohn und Brot stehenden Bevölkerungsgruppe werfen, nennen sich doch diese Tage, die mir bevorstehen, so herzergreifend im deutschen Sprachgebrauch umgänglich und nicht umgangssprachlich "Urlaub". Folglich könnte das hier eine Art "Urlaubsprosa" (in der dritten Erscheinung) werden, ich bleibe dennoch bei der Umschreibung "Bemühung" oder "Feldversuch" haften, bin ich doch für so eine Art von (Be-)Schreibung nicht tauglich. 

Das Vertexten von Buchstabenkombinationen in mehr oder weniger zusammenhängenden Sätzen, das Aufsetzen sozusagen, ist mir sowieso befremdlich. Schreibt man dann über etwas, dass eigentlich zusammen gehört, aber schreibt man es tatsächlich nicht in einem Guss, an einem Tag, sondern über einige Wochen, so wird es für einen selbst fast seltsam. Zumindest darf man sich eingestehen, dass man es nicht oder nur schwerlich schafft. Es ist mühsam so vorzugehen, denn man hat sich das eigene Geschaffene immer wieder nochmals durchzulesen, um den eigenen Anfang eines vorgestellten Fadens wieder zu finden. Dies ist eine Last, die mich immer wieder heimsucht, egal was oder wie ich schreibe. Es hat Vorteile, denn so kann man im Nachguss nochmals Fehler ausbessern oder es lassen, weil es das geschriebene Wort, das gar keines ist - nicht mal bei mir ein Gedanke, sondern ein Bild -, verfälscht und nicht mehr authentisch auf einen selbst wirkt, dem Leser aber wohl dienlich sein könnte, liest es sich doch nach Überarbeitung einfacher, flüssiger und schlüssiger. Dennoch ist ein Korrektorat überspitzt auf den Punkt gebracht, das was niemand hören oder lesen möchte - ein Konstrukt einer Lüge. Das gesprochene Wort ist unverfälschter, auch wenn es im Übereifer überschlagender Gedankenschnipsel sich zu etwas verformen kann, dass Bosheit und unkluge Rede zum Ausdruck bringt. Der Volksmund spricht hierbei von den Gedanken, die man auf der Zunge trägt. Und obgleich ich beides tue, Schreiben und Gesprochenes zu Texte zu bringen [siehe GzN-Blog], bin ich tatsächlich nahezu ein Verfechter der ungesprochenen Gestik, Mimik und vor allem der Körpererscheinungen, die Gefühle nach außen getragen an die Wachwelt bringen. Streichelt mich eine Muse über die nackten Haut, so kann ich mich winden und wenden, doch die Gänsehaut - die Wissenschaftler darauf schließen lässt, das Vorfahren meiner Art einst mehr Behaarung am Leib trugen (sic!) -, ja, das Aufrichten der Haarfollikel, im Beispiel wegen Erregung, kann ich nicht kontrollieren. Mein Nervensystem spielt mir hier einen Streich, den mein Verstand nicht wahrhaben will. Genau das ist aber ein eindeutiges Zeichen, dass Gefühle über eben jenen Verstand stehen, wie ich es im zweiten Teil beschrieb. Empfindungen kommen an die Oberfläche, mag ich mich auch noch so dagegen erwehren, alle Versuche sie verschweigen zu wollen werden hoffnungslos in erster Bemühung bleiben.

Der farblose Faden dieser Erzählung soll, bei aller Liebe zum Detail und den zahlreichen Nebensächlichkeiten, in jedem Fall zu einem Ende finden oder zu einem Neuanfang, der das Ende aufzeigt. Es geht, und das muss ich mir jetzt selbst einreden, doch weiterhin um die Normalzeit, die aktuell durch die sogenannte Sommerzeit nicht vorherrscht.
Vor einigen Tagen wurde ich von Arbeitskollegen mehrmals darauf angesprochen, warum ich denn in letzter Zeit so früh - für meine Verhältnisse - auf der Arbeitsstelle erscheine. Nach ersten Ausflüchten wie "Gut durchgekommen, schnell Parkplatz gefunden" kam ich zu folgender Äußerung, die den sprichwörtlichen Nagel punktgenau auf den Kopf trifft: "Ich habe es aufgegeben die ersten zarten Sonnenstrahlen zu erhaschen." Dem monatewährenden Spagatakt habe ich bereits im Teil 1 beschrieben. Das Anpassen an ständig sich ändernde Ortszeiten war im letzten Abschnitt (März) auch erfolgreich und ich glückselig. Dann folgte der Umbruch und meine Aufgabe. 
Ich bin Zeit meines Lebens eines leid: die Sesshaftigkeit, die mich dazu zwingt. Das ist der erste Punkt, den zweiten vervollständig die Gesellschaft und ihre Un-Gewohnheit, die natürliche Zeit ihrem Lebensverständnis anzupassen. Damit beginnt der ganze Trug und Spuk, der zu allem führt, was auf uns einschlägt. Man kann darüber spekulieren, ob es einen Ort auf der Welt noch heute gibt, wo es nicht nötig ist, lange Wege zu gehen, um diesen Kontroversen aus dem Weg zu gehen. Ich selbst habe lange darüber nachgedacht und Ausschau gehalten und tue es nach wie vor. Ich reise dafür nicht tatsächlich, ich studiere keine Landkarten oder wälze in Archiven, denn ich habe einen solchen Ort schon lange in meinen Träumen entdeckt und besuche ihn so oft es mir eindringlich und gefühlsmäßig nötig erscheint. Das geht zu jeder Tageszeit, dafür muss es nicht Nacht sein. Diese Erwähnung ist auch speziell an eine schwesterliche Menschin gerichtet, die ähnliche Fähigkeiten besitzt - die eigentlich jeder in sich trägt  - und mich wiederholt dazu anregt an ihren persönlichen Ort zu kommen. Ich komme allerdings nie, nicht nur weil ich den Weg nicht finde. Ich suche gar nicht. Wer sein Paradies gefunden hat, der wird kein anderes aufsuchen, und wer das tatsächliche entdeckte, der glaubt schon und muss nicht daran glauben, dass es da noch ein anderes gibt. An meinem Ort schöpfe ich alles Wissen und trage es ins Bewusstsein. Die Schnittstelle es auch in der Wachwelt zu manifestieren ist indes eng, so dass nicht viel über bleibt und es mich ständig wieder dorthin treibt, um tröpfchenweise alles ins Diessein auszugießen. Denn nur dort, an meinem Ort, bin ich ganz das Ich, das ich bin. Der Schreiber dieser Zeilen ist ergo nur eine schwache Ablichtung jenes Geschöpfes an jenem Ort. Und so schleiche ich langweilig mit geringem Schein durch die dunkle Welt der verkommenden Reale, die einst ähnliche Schönheit hatte, wie sie dort zeitlos vorherrscht, wo ich (immer wieder) herkomme und wo ich mich immer wieder heimfinde. 

Heute Abend wird es mich abermals treffen, wie seit Jahren an Montagen auf dem Sportplatz in den Monatsnamen (Ende) März bis (Ende) Oktober, wenn die Helligkeit schwinden sollte, was sie jedoch nicht tut. Ich erwarte den Sonnenuntergang, doch er lässt auf sich warten, weil die Zeit durch den Menschen nach hinten verschoben wurde und vor allem weil ich meine Wege nicht gehe, der Sonne hinterher oder ihr entgegen, damit sich die Zeit nicht verschiebt.
Prōsa oratio: Ich bin faul geworden in dieser Existenz und habe es nicht anders verdient, mag ich mich noch so beklagen.

(zum finalen Teil 4)


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Kommentare :

  1. III

    Ich fange gerade erst an zu „Schreiben“ – was auch immer man darunter verstehen mag. Mein erster Blog ist seit Januar 2017 online und ich übe mich im Beantworten von Fragen, die mir ein Kalender vorgibt. Waren die Antworten zuerst kurz und knapp, beginne ich immer mehr ausschweifender und prosaischer zu erzählen. Und ja, es macht mir Spaß!

    Kontakte mit anderen Blogs eröffnen mir eine ganz neue, für mich komplett unbekannte Welt. Wie viele ‚schreiben‘ !!! Der Sinn eines Blogs war für mich noch nie so deutlich, wie das Lesen der unterschiedlichen Ergüsse jener Blogger. Du gehörst ja auch dazu! So viele Jahre schon schreibst Du Texte und Artikel unterschiedlichster Couleur.

    Ich beginne bereits nicht nur meine Fragen täglich zu beantworten, sondern nehme an kleinen Schreibeinladungen teil, die mich teilweise herausfordern, mir aber eine solche Lust aufs Wörterfinden, Formulieren usw. machen, dass ich mich freue, mich das zu trauen, wo mir doch diese Art des Ausdrucks nicht geläufig ist. Ich übe noch viel herum mit Formulierungen, Wortzusammenstellungen usw. Und ich bin doch überrascht, was ich an kleinen Geschichten bisher zustande gebracht habe. Stolz bin ich auch!

    Dieses neu entdeckte Forum entführt mich in eine kleine Traumwelt, in der alles sein kann. Weg vom Alltag, hinein in die Fantasie. Eine wunderbare Sache für mich, wo doch so viel Realismus mein tägliches Handeln begleitet.

    Weiter Teil IV

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  2. Dieser Text war gefühlt besser und das Reinhard-May-Zitat würde hier besser treffen. Offenbar hatte ich auf jeden Fall einen Faden und las meine anderen Teile von den Schreiben der Nächsten noch mal durch. Ich bin sehr überrascht von mir selbst, auch dass ich es jetzt erst wieder weiß, nachdem ich es las.

    Bloggen jedenfalls hat schon etwas für sich. Man liest viele andere Dinge, dafür andere weniger. Wenn die, die man weniger liest, solche sind oder waren, die sich nur dem Tagesgeschehen hingeben, dann hat man seinen Horizont schon verändert.

    Durchaus ist es auch so, dass einem das in eine andere Welt führt. Meine beschriebene Traumwelt indes existiert nicht in der Wachwelt, es sei denn ich schreibe oder erzähle darüber, bringe sie also dort hin, was ich bislang nicht (wahrscheinlich... - auf das Schreiben bezogen) tat. Die Erkenntnisse daraus schrieb ich definitiv, überwiegend sogar, denn daraus schließen sich eben alle meine Erkenntnisse.

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