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Quadruped'sche Reflexion (postfaktisch-bioptisch), Teil 4

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Reflexion (Pt. 7d)


Prolog: You could die but you're never dead - RHCP, Parallel Universe. Man könnte sterben, ist aber niemals tot. Ich weiß nicht, wer den Song geschrieben hat (wahrscheinlich John Frusciante), aber vielleicht - und das dachte ich mir bereits damals ("damals" war 1999!) - hat derjenige von der einfachen mongolischen Weisheit gehört, die übersetzt so lautet: "Jeder stirbt, aber keiner ist tot."
Überlegungen dieser Art werden den 4. Teil mit Bildern durchziehen*, nicht jedoch mit Worten. Beim Menschen würde man sagen, es sind Gedanken vom Krankenbett. Hunde schlafen aber gewöhnlich nicht in Betten und natürlich nicht erhöht, was im Übrigen Menschen auch nicht tun sollten [Link]. Krank ist die werte Frau Quadruped.in auch nicht, aber das Unausweichliche kommt mit jedem Teil und Tag näher - bei ihr, bei mir und bei jedem von uns. Übervorsorge ist indes nicht nötig, denn niemand ist ja jemals tot, wie auch?

04. Juni 2017
Nachmittag.
So nennen es Mensch hierzulande.
Ich mache aber keine Mittagsmahlzeit.
Ich würde Mittag daher eher سمت الرأس nennen.
So nennen und schreiben es Menschen, die arabisch können. Übersetzt schreibt es sich "samt ar-ru'us", was nicht mehr heißt als "Richtung der Köpfe". Und weil manche Menschen seinerzeit nicht richtig abschreiben konnten, wurde es eben verkürzt und falsch zu dem, wie es heute viele benutzen, und ich in der Tat auch leider & lieber - nämlich: Zenit. Nun ja, eigentlich nicht, denn es ist ja falsch, auch meine Verwendung, weil Meridian wäre ja richtiger für Mittagssonne. Aber Meridian ist auch wieder nur so ein Fake-Wort (postfaktisch - sic!) aus dem lateinischen, denn meridianus heißt auch nichts anderes als Mittag. Und ich mache keinen Mittag. Ich stehe (, gehe, sitze und liege - ja, ich liege zumeist -) den ganzen Tag über in der Mitte meiner selbst. Der Spender des Lichts tut das zur Hälfte des Tages, also "liegend" (betrachtet) in der Mitte. Das wäre für mich die Halbzeit, aber da ich keine Sportart betreibe, die eine Halbzeit(pause) erfordert, ist das auch nicht so ganz richtig. Ohne Zeitrechnung steht einfach die Sonne in diesem Abschnitt eines gedachten Tages ganz über meinen Kopf und mir selbst. Wäre mein Kopf nicht der höchste Punkt meines Leibes, wäre es ebenso falsch, wobei ich wieder beim Ausgangspunkt bin. Außerdem finde ich das sowieso seltsam, weil wenn die Sonne eine Ballform hätte, dann müsste ich sie ja auch als einen solchen am Himmel erkennen, wenn ich mich auf den Rücken lege und nach oben starre, oder etwa nicht?
Nun ja, jedenfalls war es "Nachmittag", ein halber Nachmittag vor der Sommersonnenwende [Link]. Nach menschlicher Zeitrechnung so etwa 5 Stunden post meridiem (...).
Wie gingen eine nette Runde auf der Sandachse - alles prima. Tagebucheintrag Ende.

10. Juni 2017
Späterer Nachmittag.
Gleicher Ort, gleiche Geschichte.
Meine Tagebucheintragungen werden seltener.
Ich war auch schon lange nicht mehr am fremden Ort, wo mein Bipedist meine Medikamente bekommt, die er allerdings nicht selbst einnimmt, sondern nur entgegennimmt. Aufgrund seines Bekleidungsgeruchs an manchen Tagen gehe ich stark davon aus, dass er trotzdem und eben manchertags da und dort war - trotzdem und einfach ohne mich. Ich bekomme indes weiterhin die volle Ladung an Medizin, die mich unterstützen soll oder so, keine Ahnung wofür. Ich schlussfolgere jedenfalls, dass er sie ohne mich abholt. Offenbar muss ich nicht mehr begutachtet werden. Wahrscheinlich meinen die Menschen, dass mein Zustand stabil ist. Ich meine das auch, aber so kann das ja nicht weitergehen, also so ständig unter drogialen Einfluss! Wozu soll das gut sein? Wo führt das hin? Menschen können heute meinen und solch ähnliche Zustand heilen, oder? Warum tun sie es nicht?  Ich denke, ich bin ganz auf mich gestellt, so oder so. Mein Bipedist weiß das alles, aber ihm sind "die Hände gebunden" - ich kann das allerdings nicht erkennen. Seine beiden Greifer an den Armen fungieren weiterhin ungehindert vor sich hin. Ständig diese menschliche Floskelsprache. Absurd. Und wenn er doch mal Tacheles redet, dann von unsinnigem Zeugs, z. B. dass er meinen sogenannten pH-Wert durch Natron senken könnte. Pfeife! Er meint aber auch, er würde gerne Methadon haben, nicht für sich - für mich. Ja, was bin ich denn am Ende meiner Zeit? Das gleiche wie am Anfang? Ein Versuchsobjekt? Glücklicherweise darf das keiner ihm einfach so geben.
Der Tag war auf jeden Fall gut. Ich bin zufrieden. Der Rest ist mir gleich. Ich lebe nicht in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt. Von Tag zu Tag.

13. Juni 2017
Nachmittag.
Siehe Eintrag vom 04. Juni.
Alles gleich. Mein Bipedist spielt erneut mit seinem Aufnahmegerät herum. Er will mich wohl für die Ewigkeit in bewegten Bildern festhalten. Für welche Ewigkeit? Ist er denn unsterblich in seinem Leibe? Adelhaid und ich wissen beide, dass das nicht so ist. Sollten wir zumindest. Adelhaid behauptet aber steif und fest, dass sich Menschen ihres Körpers selbst entledigen könnten, wenn sie es wollten, jederzeit. Deren Geist möchte ich nicht haben! Theoretisch könnte sich also jeder Mensch jeden Tag selbst töten. Schon alleine diese Vorstellung ist erschreckend. Adelhaids Erinnerungen an eine vergangene, nicht vergessene, Zeit sind dabei noch weitaus schrecklicher. Sie meint, sie würde das in der Erzählung "Schensi" [Link] näher beleuchten. Sie meint, ich solle niemanden davon berichten, bevor sie es tun würde. So viel Zeit habe ich indes nicht mehr, aber ich habe es ihr ja versprochen, denke ich. Und so nehme ich ihr Wissen - wie man so unschön und salopp sagt - "mit ins Grab". Bis dahin lebe ich noch, und verspreche weiterhin weitere Tagebuchniederschriften.

16. Juni 2017
Post mortem.
Post mortem Fronleichnam (sic!).
Ich habe diesen Tag überlebt.
Die Kraxelsteine werden niedriger [siehe Bild unten].
Mein nächstes Nahziel ist die Sommersonnenwende [siehe Link oben], das ist schon quasi durch.
Mein Fernziel ist mein Entstehungstag. Der müsste so um den 04. August (gewesen) sein. Dann bin ich 10. Die Menschen meinen jedoch, ich wäre erst am 04. Oktober 10 Jahre in diesem Leibe. Wie sie sich irren. Zu dieser Zeit war mein Leib lediglich erstmals sichtbar für sie. Idioten! Dennoch war er schon längst in der Entstehung. Ich war schon erschaffen, sogar noch früher - durch den Geist meiner bekannten Mutter und meines Erzeugers. Bis dahin...


* Die Text(bild)e(r) sind Untertitel aus dem (semi-)dokumentarischen Film "Die Höhle des gelben Hundes" (mongolisch Шар нохойн там) von Byambaa-Byambasuren Davaa aus dem Jahre 2005. Vater und Tochter der mongolischen Nomadenfamilie begraben auf einer Anhöhe ihren Hund, wobei es sich dabei nicht um den "Hauptrollen-Hund" handelt.




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