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Lieb(e)voll(l)os - Die Rollenspieler (Deprivation, Teil 1)

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PerChaTem (Pt. 10c3)
FAQs zur Reihe (PerChaTem) / Grundsatzfrage: Die ewige Schuldfrage und eine Flasche Liebe
Ebenso wie ich die affektive Empathie zwischen den Zeilen im Kapitel Zwischenspiel als ein "Ultimum" beschrieb und demzufolge andere Formen ignorierte - als ob sie keine Existenz für mich hätten -, so werde ich auch mit dem Begriff Deprivation ähnlich verfahren. Die Zerteiltheit der Naturwissenschaften tangierte mich eben noch nie. Und so fällt es mir geradezu einfach den unter Entzug leidenden oder verflossenen Fachbegriff (- als ableitendender Vergleich zur Grunddefinition -) sprachlich zu isolieren. Mein und unser aller Absolutum sollte sich auf die emotionale Deprivation richten. Solch eine anti-stringente/restringierte Verallgemeinerung braucht von etwaigen lesenden Personen mit unterschiedlichsten Varianten dieser Störung nicht negativ bewertet zu werden, da ich in erster Linie in all meinen Abhandlungen den Hinter- bzw. Grundgedanken der Ganzheit im Sinne habe, schon deswegen, um einen Text nicht unnötig zu verstricken. Darüber hinaus werde ich ohnehin nachfolgend erklären, warum ich eine Form der Deprivation ganz nach oben setze. 

Die trainierte Form der direkten Schreibe ist für mich so lobenswert, dass ich es bei jedem Text auf ein Neues versuche, auch wenn mir die Umsetzung zumeist nicht gelingt. Ich kann ein ausschweifender Redner sein, aber bei der in die Schrift eingehüllten Sprache schwebt mir jener Perfektionismus vor, der womöglich daher nur für mich ein Nonplusultra ausstrahlt, weil ich bereits beim Versuch der Anwendung wenig Befähigung aufzeige, um in aller Kürze präzise und elaboriert auf den Punkt zu kommen. Der in mir treibende Zwiespalt liest sich nahezu in jedem meiner Sätze, was mitunter eine schwere Verständlichkeit mit sich bringt. Mit wenig Aufmerksamkeit - oder sagen wir: einer Achtlosigkeit des "Daraufeinlassens" (= eine Form der Unkonzentration) - passiert das Unweigerliche: Der Leser versteht entweder nichts oder interpretiert anders als es von mir angedacht war. Ich denke - möglicherweise -, ich bin damit nicht alleine, in jedem Fall waren diese Zeilen, das Aufzeigens jener Art einer seltsam anmutenden multiplen Schreibstörung, grundlegend überfällig und ideal für einen Schwenker in die Kinderpsychologie. Dort wird nämlich häufig mit einer Definition (auf-)gespielt, die sich den Sammelbegriff Multiple Deprivation ausgesucht hat, was für mich ein wenig wirkt wie ein Oxymoron (Beispiel: "alter Knabe"), denn: Wenn mein Ich mein Haus ist und es wird in ihm eingebrochen und alles genommen, was soll mir dann noch geraubt werden? Nur unter der Voraussetzung, dass ein Ich multipel, also vielfältig, ist, kann mehrfach ge-/be- und ausgeraubt werden. Bei der Multiplen Deprivation wird ergo davon ausgegangen, dass lediglich ein Stück des Vielfachen entrissen oder verletzt wird. Die Gesamtheit des Seins bleibt also vorhanden, "lediglich" die Voraussetzung für den weiteren Lebensweg wurde dadurch und zumeist irreparabel beschädigt. Die Folgen sind mannigfaltig, das Gegebene allerdings führt stets zu dem, was ich oben schon als "Ultimum" definiert hatte - der emotionalen Deprivation, des sogenannten Hospitalismus. Mit anderen Worten: Diese Abstufung hebt sich über die reine Definition, die sie lediglich als Folge der mehrheitlichen Beraubung ansieht.
Es ist nicht so, dass Menschen keinesfalls aus Fehlern in der Vergangenheit und für eine bessere Zukunft lernen können. So gibt es heutzutage (zumindest in Deutschland und in die meisten Ländern der Welt) keine Säuglingsheime mehr, die im Prinzip eine Brutstätte für das Deprivationssyndrom darboten. Selbstverständlich war im speziellen Fall diese Art von Lernverhalten dramatisch, und ich komme mitunter nicht darüber hinweg festzustellen, dass es (- gemeint: jenes Lernverhalten -) in einem Vergleich - denn man eigentlich nicht stellen sollte - zu allen Missetaten der Menschheit, in ihrer mir bekannten Geschichte und in meinem Verständnis, die niederste und verwerflichste Kolletktivtat war, die jemals Menschen an wehrlosen Mitmenschen verüben konnten. Es verwundert nicht, dass die Tatsache solcher Einrichtungen in großer Weise tabuisiert wurde - und zwar noch bis zum heutigen Tag, frei nach dem Motto oder dem Prinzip, dass Geschichte am besten ruht, wenn man sie quasi negiert. Und dennoch sieht man heute erneute und neue Kreise, die sich mit Greisen beschäftigen, die ebenso der Willkür ihrer Helfer ausgesetzt sind, wie es seinerzeit Säuglinge in jenen Institutionen - in Deutschland im Übrigen flächendeckend oftmals unter der Schirmherrschaft einer christlichen und zur Kirche gehörenden Organisation - waren. Ich könnte noch weitaus mehrere Einschübe, ganz offen oder zwischen den Worten, an- und einbringen und weitere - vor allem - negative Beispiele aus der Vergangenheit oder gar der Gegenwart offenlegen, allerdings sehe ich mich nicht als einen Aufklärer, sondern als einen "Aufzeiger"/Hinweisgeber; mein Tätigkeitsfeld war und wird und kann nie missionarisch sein. In blumiger Sprache mag man mich als jemand erkennen, der autodidaktisch immer mehr Einblicke in die Menschenwelt werfen darf, ewig die eigene Gattung studierend, dabei im Glauben (nicht im Wissen!) empirisch und neutral das Erfahrene in sich aufnimmt und verarbeitet. Als ich beispielsweise erstmals von der Existenz von Säuglingsheimen erfuhr, fragte ich mich warum jeder dieses Wissen darum kennt oder - in unserer digitalisierten Welt - zumindest kennen könnte - also sich in theoretischer Erfahrung bringen könnte -, aber kaum jemand die frappierende Ähnlichkeit erkennt, dass wir jenes "Betreuungsprinzip" mit unseren alternden Bevölkerungsschichten heutzutage ebenso in gewisser Weise nicht anders "treiben". Wo liegt im praktischen Bereich zum Beispiel der Unterschied zwischen dem Umsorgen eines hilfsbedürftigen und gleichzeitig hilflosen Säuglings und eines Greises, der ähnlich viel Zuwendung benötigt? Später erkannte ich, dass es mit der Last für eine Gesellschaft, die geprägt ist auf das Gefüge der Pflichterfüllung, im engen Zusammenhang steht. Der Tod alter Menschen ist absehbar, das Leben Neugeborener ebenfalls; Ersteres belastet jedoch nur geringfügig kurz, hingegen neue Erdenbürger mit psychischen Folgeschäden bis zu ihrem Ableben eine solche Lebens(un-)kultur strapazieren. Beiden Gruppen wurde die Eigenverantwortung abgesprochen, der einen am Ende und der anderen am Anfang.

Im Zeitalter der Industrie- und später der Informationstechnik hat sich eine gewöhnliche Art von Deprivation herausgebildet, die jeder Rollenspieler mit sich trägt, ich will sogar behaupten: jeder Menschentyp - also auch der Autonome und der Selbststimulant. Diesen Jetztzustand kann man leicht erkennen. Hierzu soll ein kleiner Ausschnitt aus einem von mir kürzlich geschriebenen Prosatest herhalten, der die Ausgangslage perfekt umschrieb:

"Die Abwesenheit von Liebe ist... Hass! Normal entsteht in unserer Welt der Hass tatsächlich häufig, da eines unserer gesellschaftlich höchsten Kredos auf Anpassung beruht und dabei die Eigenverantwortung derart negiert, das zwangsläufig nur eines hervorgerufen werden kann: eine hohes Pflichtbewusstsein und kaum/wenig Tiefgang. Und ohne einen inneren Schwerpunkt, einem Nährböden im eigenen Sein, ist der Mensch schnell in einem Trudel befangen und verstrickt, der stimulationsgebunden ist."

In der Tat entdeckte und deckte die Kinderärztin Dr. med. Marie Berta Meierhofer bereits Ende der 1950er-Jahre in ihrer Studie "Frustration im frühen Kindesalter" die Missstände auf, die dokumentarisch den damaligen Alltag in Schweizer Säuglingsheimen aufzeigten, sowie die Folgen herausstellten.* Die im obigen (Eigen-)Zitat erwähnten stimulationsgebundenen Ausübungen wurden augenscheinlich aufgezeigt. Durch das Fehlen einer Bezugs- oder Bindungsperson entwickelten die Neugeborenen teils autistische Züge. Selbstredend sind jene gezogenen Ergebnisse nicht die Regel in unserer Gesellschaft und Autismus ist sicherlich nur ein anderes Spektrum des Seins, dennoch: in diesen dramatischen Schilderungen wird klar aufgezeigt, dass hier im Prinzip neurologisch normal geborene Kinder in ein neurountypisches Leben förmlich hineingepresst wurden. Für die auf Anpassung ausgerichtete Gesellschaft werden solche - durch Menschenhand! - künstlich generierten Muster geradezu gefährlich, vor allem wenn man den Faden weiterspinnt - frei heraus: nach den Säuglingsheim folgt(e) das Kinderheim mit all seinen weiteren Einwirkungen auf die menschliche Psyche.
Ich erwähne diese Dinge nur aus einem Grund: Auch wenn das alles heute augenscheinlich der Vergangenheit angehört, muss man sich eingestehen, dass bei der "Nestpflege" neuer Generationen und bei deren späterer Einbindung in andere staatliche Systeme (Kindergarten, Schule, Studium ...), bei aller offenkundiger Besserung, weiterhin vieles im Argen bleibt, dass tatsächlich von niemand so hingenommen werden darf und trotzdem wird. Es gilt nicht irgendjemand eine Schuld zuzuschieben, sondern die Schuld in der Eigenverantwortung zu suchen, zu finden und gleichsam auszumerzen - oder im besten Fall: gar nicht aufkommen zu lassen. Die Möglichkeiten bestehen in unserer Zeit, auch wenn sie oftmals - obwohl anerkannt - schwer und mit einem erheblichen Mehraufwand umzusetzen sind.
Im zweiten Teil werde ich zwei Fallbeispiele aufführen, die mich persönlich einmal selbst in der Rolle des schutzlosen Kindes aufzeigen und später in der des umsorgenden Vaters.

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* Erster Teil der Reihe als Videoclip: LINK / zusammen mit Wilhelm Keller erschien im Huber-Verlag 1966 ein Buch mit gleichnamigen Titel (LINK)



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