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Wie Mensch die Zeit abschafft ('Reloaded')

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UnNatur (Pt. 19e)

(zu Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4)

Diese Prosareihe war schön! Und offenbar war sie zeitlos, denn sie wird auch noch heute, nach fast einem Jahr, gelesen - in jedem Fall aber, wenn ich mich darauf beziehe, also jemand darauf aufmerksam mache. In einer kürzlich geführten Korrespondenz tat ich dies. Nach Rücksprache habe ich mich dazu entschieden sie, die Korrespondenz, nachfolgend öffentlich zu stellen - der Nachhaltigkeit wegen.

[AHB] = ich - [kK] = kürzlicher Korrespondent

[kK] Jetzt ist also die alljährliche Sommerzeit ausgerufen, die Uhren umgestellt und der Mensch reibt sich die Augen: Da liegt doch immer noch Schnee. Ein Sonntagmorgen, wie ich ihn liebe, voller Ruhe und Gelassenheit, auch wenn diesem kürzesten Tag des Jahres eine Stunde mit fadenscheiniger Begründung genommen wurde, der Mensch unter dem Diktat einer "neuen Zeit" gestellt und zum Weiterhasten verdammt ist. [...]

[AHB] Ja, die falsche Zeit läuft wieder, zum Glück nicht allzu lange, wie z. B. in der Türkei, da läuft ja Sommerzeit seit letztem Jahr (?) rund ums Jahr. So irre Ideen, so dachte ich bis heute, kann ja nur ein Mensch wie deren Regierungschef haben, aber ich irrte mich wohl. Heute durfte ich lesen, dass Sahra Wagenknecht postulierte, dass man die Winterzeit abschaffen sollte. Es gibt wahrscheinlich wenige Punkte, wo ich ihr nicht zustimmen, aber das ist ein entscheidender. In meiner Prosa-Erzählung "Wie Mensch die Zeit abschafft", hatte ich ja mal im letzten Teil einen gewagten Vorschlag gemacht, der im Wortlaut und ungekürzt so ging:
>>Vielleicht sollte man den Tag in 2 Hälften aufteilen. Wie wäre das? Wäre das evtl. eine fast jüdische Methode? Bei denen beginnt der neue Tag um 18 Uhr. 18 Uhr ist also 24 Uhr. Das ist komisch, nicht wahr? Aber es ist nicht das, was ich meinte. Nennen wir diese zwei Hälften "Phasen". Demnach hätten wir eine Phase der Hellzeit und eine Phase der Dunkelzeit. Die haben wir jetzt natürlich auch schon, was allerdings unnatürlich ist, ist, dass sie sich auf unseren Zeitmessern verschiebt. Wäre es nicht angepasster, wenn wir die Zeitmesser an die natürliche Zeit anpassen würden? So vergeht die Hellzeit im Winter chronologisch schneller, hingegen die Dunkelzeit länger andauert. Das ist freilich nervig, weil man dann gefühlt - "gefühlt": nach welchem Gefühl!? - weniger vom Tag hat, aber, nehmen wir die pflanzliche Margarine vom Rohkostbrot [gebacken mit nicht viel mehr als der Temperatur, die es braucht, um zu fiebern], so müssen wir feststellen, dass dies der aktuelle Stand der Dinge ist, den ich gar nicht ändern will. So freigeistig unterwegs bin ich nicht. Trotzdem: Das sollte man anpassen und die Zeit auf der Uhr einfach schneller laufen lassen. Gehen wir für ein Beispiel zu den Tagen rund um die sog. Rau(h)nächte, also kurz vor die Wintersonnenwende. Da haben wir nicht viel mehr als 8 Stunden Helligkeit am Tag. Die Phase der Hellzeit beträgt aber immer ähnlich viel angezeigte Zeit wie die Phase der Dunkelzeit - also 12 Stunden. Somit würden die 8 Stunden der Helligkeit auf unserer neu-gedachte Uhr 12 Stunden darstellen, ergo: die Zeit muss schneller verlaufen (in der Hellzeit-Phase in unseren Breitengraden, wenn es kürzer hell am Tag ist). Von bspw. 8 bis 20 Uhr (die Hälfte) wären es angezeigte 12 Stunden, die so schnell vergehen wie 8 Stunden. Und 20 Uhr wäre dann nach "Normalzeit" im Beispiel 16 Uhr. Vice versa würde die Zeit auf der Uhr nach 20/16 Uhr langsamer verlaufen müssen.
Ich denke, das sollte technisch machbar sein. Eine Sonnenuhr schafft das auch. Ergo habe ich fertig. Ich arbeitete das nicht aus, zumindest keinesfalls in der falschen Sommerzeit.<< [...]

[kK] Wieder eine neue Woche und diese fängt im falschen (ungewohnten Zeit-) Rhythmus an, den man erst einmal wegstecken muss, was aber Zeit, Gewöhnungszeit braucht. Bevor ich anfing diese Antwort an dich zu verfassen, las ich deinen Text zum Thema Zeit und mir wurde klar: Wer über die Zeit (angeblich gleich Geld) herrscht, herrscht über den Menschen. Dabei ist diese Zeit-Herrschaft erst einmal "nur" administrativer Form, die aber ist bestimmend, weil sich alles nach ihr richten muss! Diese Willkür, die damit verbunden ist, zeigt sich sehr extrem am alljährlichen Winter- und Sommerzeitproblem.
Als man vor einigen Jahrzahnten daran ging "diese gute Idee" umzusetzen, wollte man damit Energie sparen, d. h. die Motivation war "mit diesem einfachen Trick" Energie gleich Geld zu sparen, also unterm Strich Gewinn durch die Einführung der Sommerzeit einzufahren. Mittlerweile ist auch in der letzten Chefetage der Macht durchgesickert, die alljährliche Zeitumstellung hat nichts gebracht. Oder ging es den Machern von damals auch um ihren eigenen Machtbeweis, indem sie Europa synchronisierten, Europa nach ihrem europäischen Willen die Uhren stellen sollte?!
Ich sehe hier einen wichtigen Zusammenhang zwischen Zeitdiktat und der Freiheit des Einzelnen. Wie bestimmend ist das künstliche Zeitdiktat, wie weit bestimmt es den Lebensrhythmus des Menschen? Ich habe dir schon einmal geschrieben, müsstest du nicht morgens zu einer bestimmten Zeit auf der Matte deines Arbeitgebers bzw. seines Betriebes stehen, würdest du dich zu einer "Eule" entwickeln und ein mehr nachtaktives Leben führen. Wir sehen daran wie unterschiedlich der Lebensrhythmus beim Menschen ist, spricht doch der Volksmund schon von den beiden Hauptgruppen, den Eulen und Lerchen. Wenn bei einem Zeitgenossen irgendwo in Deutschland morgens um 5 Uhr der Wecker klingelt, dann lebt dieser gute Mann nach dem Diktat seiner Uhr, was schlecht für seinen Körper und Geist ist. Natürlich wird er allerhand zwingende Gründe aufzählen können, warum er so unnatürlich lebt, wie er lebt, aber er lebt (und argumentiert) verkehrt! Oder, wie der deutsche Philosoph Theodor W. Adorno in seiner Minima Moralia schrieb:
*"Es gibt kein richtiges Leben im falschen."*
Wer aber setzt hier die Messlatte an, deren Messwert darüber wertet, was richtig und falsch ist? Im kategorischen Imperativ von Kant sollte es noch der innere sittliche Befehl des Einzelnen sein, der ihm als Richtschnur für richtig und falsch dienen sollte, für die anderen Christenmenschen gab es den Dekalog. Ursprünglich gab es kein Zeitkonzept, jedes Zeitkonzept ist ein Produkt von Lebewesen und resultiert aus der jeweiligen Wahrnehmung zeitlicher Zyklen, mit denen sich das jeweilige Lebewesen oder seine Gruppe mehr oder weniger synchronisiert. Wer also seine Lebenszeit verkauft, der verkauft häufig auch seinen Lebensrhythmus und wird u. U. krank dadurch. Das kranke Element in der Zeitrechnung und -Messung sehe ich hauptsächlich in der linearen mathematischen Form, da sie sich nicht mehr nach natürlichen Zyklen orientiert. In alter Zeit sprach man von "Monden", womit Vollmonde gemeint waren, Mondmonate. Wenn jemand sagte, wir treffen uns in drei Monden, dann war jeder in der Lage sich nach diesem natürlichen Mondkalender auszurichten. Oder wir treffen uns zur Apfelblüte, immer lagen der Zeitmessung kosmische oder natürliche Zyklen zugrunde wie die Jahreszeiten. Auch Ebbe und Flut sind eine natürliche "Uhr" und an den natürlichen "Uhren" sollten wir uns orientieren. Je hoch komplexer indes eine Gesellschaft mbH, desto denaturierter ihr Zeitbegriff. In den Großstädten der neuen Zeit wird die Nacht zum Tag gemacht und häufig in drei Schichten gearbeitet.
Je mehr ich mich mit dem Menschen und seinen Gesellschaftsformen beschäftige, desto unangenehmer wird er mir. Er jagt seinen fixen Ideen hinterher und verschwendet den größten Teil seiner Lebenszeit mit allerhand Tätigkeiten, die er aber in der Regel "gut" zu begründen weiß. Der Mensch ist unverbesserlich und um Ausreden nie verlegen. Selbst Adolf Eichmann argumentierte, nachdem man ihn in Argentinien entführt und in Israel vor Gericht stellte, damit, er hätte nur seine Pflicht getan und versucht die Welt von einer "Plage" zu befreien. Eichmann war uneinsichtig und verließ diese Welt als uneinsichtiger Massenmörder.
Tagtäglich verschwinden durch unsere "Lebensart" Pflanzen und Tiere unwiederbringlich von unserem Planeten, als dessen Eigentümer wir bzw. die Besitzenden des Planeten sich empfinden. Ihrem Diktat müssen sich alle Menschen, Tiere und Pflanzen beugen, sie sind die Herrscher der Jetztzeit und die messen sie in ihren jeweiligen Fiat-Währungen. Unangenehm, diese Menschen, man sollte ihnen den Untergang wünschen, auch wenn ich selbst zu ihnen gehöre...! [...]

[AHB] Deine Überlegungen, [...], waren gut, inkl. dem *YT-Video v. Harald Schmidt*, dass ich mir soeben angeschaut habe [...].
"Es gibt kein richtiges Leben im falschen" ist so ein gängiger Satz, der allerdings sich der ‚Philosophie der Umkehr‘ bedient, weil der Hauptsatz wäre: "Es gibt kein richtiges Leben". Das ist natürlich kein guter Start bzw. ein falscher + das Ende kann nur besser sein. Besser wäre daher: "Es gibt ein richtiges Leben, aber es gibt auch ein falsches Leben im richtigen" oder genauer "…, aber viele leben ein falsches Leben …". Sich so etwas aber zu merken ist schwieriger, weil der Satz länger ist, also für die Allgemeinheit (sic!). Deswegen mag ich solche Sprüche weniger, sogar Erich Kästner hat so einen "eindringlichen" Satz herausgehauen, als er formulierte "Es gibt NICHTS Gutes…" – mit dem Beispiel habe ich glaubend veranschaulicht, dass solche Eingangssätze großer Unsinn sind, weil der Hauptsatz schon falsch ist. "Es kann nichts Schlechtes geben, wenn es nichts Gutes gibt." Ein bspw. weiterer richtiger Satz stammt von Armin Risi, der lautet: "Licht wirft keinen Schatten", d. h. ohne Licht kein Schatten. Der verkürzte Satz zu Kästner wäre also "Ohne Gutes nichts Schlechtes" oder betr. Adorno: "Ohne richtiges Leben (existiert) kein Falsches".
Unabhängig davon war ich damals fast stolz auf mich, als ich für die Gesellschaft ein Modell kreierte, dass die Uhrzeit nicht abschafft und sie nur der Natur anpasst, indem die Uhren einfach schneller oder langsamer laufen. Uhren sind ja schon wichtig für die Menschentechnologiewelt, weil sonst klappt ja nichts mehr, von der Eisenbahn angefangen bis … und jetzt fällt mir kein Beispiel mehr ein, außer das Flugzeug oder andere Verkehrsmittel, die man nicht selbst lenkt. Für alles andere könnte man die Zeit im Prinzip abschaffen bzw. nach Sonnenuhren leben. [...]

[kK] Den philosophischen Teig (Adorno) hast du aber schön ausgewalzt, aber ich möchte da jetzt nicht fortfahren müssen/wollen/können usw.! Wir wissen worum es geht und sind beide nicht blöd - um es mal verkürzt auf einen Nenner zu bringen... [...]


Epilog: Ich mag abrupte Enden, auch wenn ich mich immer wieder vergewissere, wie man "abrupt" schreibt, also bevor ich es schreibe. Ich schrieb es jetzt schon, also tat ich es just. Aufgewärmtes soll manchmal besser schmecken. Darf man diese wage Feststellung auf "Agape", dem Liebesmahl, ummünzen? Ich habe Erfahrung darin und antworte mit einer Wortverschmelzung, einem sogenannten Kofferwort: Jein! Beim Brunch sag ich "Ja", beim Brinner "Nein" (oder umgekehrt).

- E N D E - 


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