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Die 3 Seelen - philosophisch-theologische Vorgedanken

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PerChaTem (Pt. 9b)


"Die Sünde besteht darin, daß die Seele ihre Ordnung verliert,
so wie die Krankheit in einer Unordnung des Leibes besteht."
(Thomas von Aquin - "De malo" 7, I)

Grundgerüst: Die 3 Seelen

Hätte ich mit Platons Lehre begonnen, stünde hier jetzt ein Zitat von Augustinus, denn eben jener tat gleiches wie ein Thomas von Aquin mit Aristoteles und dessen Lehre. Beide versuchten sie in ihr christlich-jüdisches Dogmadenken einzubinden. Sie taten es mit theologischem Fingerspitzengefühl, das einer Wissenschaft würdig wäre. Theologische Philosophie ist interessant, aber langweilt, wenn sie Unzusammenfügbares verschwurbelt versucht zu verbinden.
Dummerweise hatten die beiden Gelehrten Erfolg, der uns noch heute begleitet. Und vor allem der oben Zitierte hatte einen brachialen Erfolg, er tilgte die platonischen Sichtweisen und verarbeitete sie in einem katholischen Aristotelismus.
So behauptete der werte Thomas beispielsweise, dass die von Aristoteles benannten 3 Seelen nur Potenzen einer Seele wären. Trotzdem bin ich mir sicher, dass er es nicht böse gemeint hat. Er tat nur seine Pflicht samt des einen Fehlers, nämlich: Aristoteles konzeptuellen Denkansatz weiterzuführen. So war er wohl der gleichen falschen Auffassung, dass Aristoteles Freiseele den Verstand darstellt. Und wenn man die dann mit dem Körper und Geist gleichsetzt, ist man eben beim Endziel einer Seele.
Aristoteles Freiseele - mein benannter "Urstoff" - darf aber nicht als Verstand gesehen werden. Die Fähigkeit zu Wollen und zu Denken sitzt im Körper. Und hier gesteht sogar der Aquinat ein, dass der Wille sich nicht weiter von der Seele entfernen kann, als es der Verstand könnte (und umgekehrt). Hätte er mal da weitergemacht; schließlich ist das ja ein zentrales Thema (also das Leib-Seele-Problem) der Philosophie des Geistes, wo selbst ein Platon quasi fragte: "Kann der Geist auch ohne Körper existieren?"
Im Wortlaut seines Werks Philebos [ein fiktiver Dialog zwischen Platons Lehrer Sokrates und seinen Schülern Philebos und Protarchos]

Sokrates: "Unser Leib, wollen wir nicht sagen, der habe eine Seele?" [...] 

Nun gut, im besagten Werk geht es "nur" um die Wesensanalyse der Lust in Bezug auf die Seele. Und es ist vielleicht das umfangreichste Gedächtnisexperiment von Platon. Komplett nachzulesen ist es zumindest auf dem Gutenberg-Spiegel. Viel Vergnügen, obgleich es mit der Sache nicht viel gemein hat. Es ist ermüdende Philosophie in meinen Augen.
Gesagt sollte aber werden, dass die obige Kernaussage schon fragwürdig ist. Der dort erwähnte Geist - das griechische (hier gemeint) Pneuma - ist ein formloses Kontinuum, und dies nicht nur in den Augen des schreibenden Schülers. Selbstverständlich kann es ohne Körper existieren. Die Frage wäre eher, wie man genau Geist definieren will, wobei wir uns da wieder im Kreis drehen (würden).

Fragen wir doch mal anders und in Bezug auf mein Leibfeld!
Überlege: Wenn du z. B. Kopfschmerzen hast, kannst du dann vernünftig denken?
Oder: Wenn du eine Grippe hast, kannst du dich dann lustvoll einer Sportart hingeben?
Aber natürlich kannst du das versuchen und umsetzen, aber du wirst feststellen, es gelingt dir nicht so gut und macht auch nicht so viel Spaß. Es würde dir besser gelingen, wenn du gesund wärst.
Ergo: Wenn du nur eine Seele hättest und diese wäre mit deinem Leib verbunden, wäre es nicht komisch, wenn du jemals in den Zustand einer geistigen oder körperlichen Schwäche kommen würdest?
Der "junge" Platon würde ungefähr sagen: "Klar doch, denn der Seele steht es zu über den Körper zu herrschen, je nachdem wie er mit ihm umgeht."
"Alles klar!" sage ich und bewege meine Augenbrauen ganz nach oben.
Der "alte" Platon käme dann (jedoch) mit seinem trichotomen Mensch-Seelenbild, dem 3 Teile angehören: Vernunft, Trieb und Mut, wobei sich der Mut-Seelenteil der Vernunft unterordnet, entgegen der begehrende Trieb sich (beiden) wiedersetzt.
"Alles klar!" sage ich, schließe meine Augenlider, neige den Kopf nach unten, kapituliere, bin gewillt diesen ganzen Unsinn zu löschen...


Es soll lohnend sein, wenn sich der Geist mit der Philosophie beschäftigt. Ob es am Ende lohnenswert ist, wenn man gerade noch vor dem Giftbecher eine Seelendefinition agnostischer Unvernunft - wie beispielsweise der Lehrer Platons, Sokrates -, herauspresst, ist fraglich, ebenso wie es ethisch fragwürdig ist, wenn man ein Buch schreibt, wo man seinen Meister fiktiv in ein Gespräch bringt, um ihn über die Jahre zu einem Mysterium zu machen, und sich selbst dabei bekannt. 
Wenn das nur einer macht, so soll es mir ja lieb und recht sein, aber leider taten es viel zu viele. Und diejenigen, die es taten ernteten die Aufmerksamkeit als Philosoph, von damals bis zum heutigen Tage hat sich da nicht viel daran geändert. 
Auch wenn so gut wie alles, was wir heute über Sokrates wissen und lesen, aus nur wenigen Quellen kommen, so kann man Sokrates doch eines zusprechen: er war ein grandioser Denker, und kein Spekulant. Eigentlich war er kein Philosoph, denn er stellte anderen Personen Fragen deren Antworten er schon in sich gefunden hatte. So zumindest mein Bild. Ich würde sogar noch weiter gehen und ihn zumindest in einigen Punkten mit Jesus Christus gleichsetzen. Beispielsweise wissen wir heute nicht, ob denn alles so stimmt, was seine Schüler - allen voran Platon - über ihn von sich gegeben haben. Und auch deren Tod kann in einem Gleichnis gesetzt werden: Beide wichen bis zuletzt nicht von ihrer Überzeugung ab. Das aus sich heraus erhaltene GeWISSEN und DIE Wahrheit waren demzufolge wichtiger als der eigene Tod.  


Protagoras: "Das Maß aller Dinge" [...]

... war vielleicht ein Protagoras, einem Sophist *. Was man heute noch über ihn und über Dritte weiß - gerade eben das was wiederum bei Platon steht -, sollte man allerdings nicht viel Aufmerksamkeit schenken, denn seine Schriften wurden verbrannt. Aber die Kernaussagen, die man ihm heute zuspricht, schildern eine ganz andere, ja objektive Wahrheit. Der Rest ist verlorengegangen in einer Zeit, wo man Götterlästerung nicht duldete. So wissen wir ja nicht einmal sicher, weswegen er laut Überlieferung bei seiner Flucht nach Sizilien ertrank.
Die Sophisten waren allemal tatsächliche Lehrer, die ihr allumfassendes Wissen auf ihren Reisen mit allen Personen teilten, obgleich sie dafür sich auch bezahlen ließen.
Und auch wenn man nicht viel über ihr Handeln erfahren kann, so sind sie mir gerade wegen ihrem nomadischen Wesen doch um einiges sympathischer als alle Jene, die nach ihnen kamen. Das umschließt selbstverständlich auch Personen, die nur noch ein vages Abbild von ihrem Wissen widerspiegelten und im Zweifelsfall geschichtshistorisch heute ihnen zugeordnet werden.

--- S C H N I T T ---

Das Gedankengut der Griechen wird zumindest immer besser, wenn man in den Jahr(hundert)en immer weiter zurückgeht. Beispiele lassen ich an dieser Stelle aus, denn die Fragen und deren Lösungen werden ebenso anders; von "Woher kommen wir" bis hin zu "Wie wurde die Welt erschaffen" kommt es unweigerlich auch zur Fragestellung, ob und "wie das denn alles miteinander verbunden ist".
Aus den Lösungen wurden Mythen und aus den Mythen heraus entstand unweigerlich die Philosophie, die zuerst einmal alles hinterfragte, anstelle das Richtige und Wichtige aus den symbolischen Umschreibungen herauszulesen.
Wer jetzt selbst denkt, der wird feststellen, dass hier einige (Ein-)Flüsse zusammenfließen.

___
* als letzten Denkansatz zum Namen "Sophisten": eine schöne Namensgeberin wäre die Göttin Sophia, für die es auf der deutschen Wikipedia keinen Eintrag gibt. Einen sehr nachhaltigen Verweis habe ich aber gefunden.


"Wie die Seele in jeglichem Teil des Leibes ganz ist,
so ist Gott ganz in allem und jedem Seinswesen."
(Thomas von Aquin - "Summa theologica")

zu Seele #1 - Leibfeld, biblisch


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